Interview mit Monika Zeiner

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Frau Zeiner, Sie haben mit ihrem Debütroman „Die Ordnung der Sterne über Como“ im vergangenen Jahr den Sprung auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Können Sie sich an den Tag erinnern, als Sie diese Nachricht ereilte?

Einige Wochen vor Bekanntgabe der Shortlist gab es ja bereits die so genannte Longlist, für die 20 Romane nominiert waren. Deshalb wartete man schon auf den Tag der Shortlist-Verkündung. Als dann am Nachmittag das Telefon klingelte und mein Lektor nur „Shortlist“ brüllte, erschien mir das aber trotzdem ziemlich irreal. Wir tanzten mit den Kindern in der Küche zu russischer Musik. Die wunderten sich etwas, glaube ich.

Neben Ihrer Tätigkeit als Autorin singen Sie in einer Band, die neapolitanische Lieder spielt – was kann man sich unter dieser Musik vorstellen?

Das sind Lieder aus den 50er und 60er Jahren, die sowohl von der volksmusikalischen Tradition Süditaliens, als auch vom Chanson und vom amerikanischen Swing beeinflusst sind. Während der deutsche Schlager oder auch das deutsche Volkslied ja immer recht fröhlich und vorwärts gewandt sind und die Dur-Tonarten bevorzugen, sind diese Stücke fast durchweg in Moll, und auch die Texte sind von einer melancholischen Poesie.

Sie leben seit vielen Jahrenn in Berlin. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Ihrer alten Heimat beschreiben?

Distanziert, räumlich gesehen, aber je älter ich werde, desto mehr spüre ich auch die Verwurzelung, die Herkunft, die mich doch sehr geprägt hat.

Was ist das Erste, das Ihnen einfällt, wenn Sie an Ihre Schulzeit denken?

Mir fällt vieles gleichzeitig ein: Das fast unmenschlich frühe Aufstehen - der Bus fuhr ja schon um 6.35 in Gerchsheim los - dann die Ankunft in winterlicher Dunkelheit auf dem Wörthplatz, das Warten, bis der Bus aus Külsheim und meine Freundin Simone ankamen. Dann wurde eigentlich den ganzen Schulmorgen hindurch geredet. Der Zitronenjoghurt von Hausmeister Behringer. Ein für mich siegreiches Wettrennen über den Verbindungsgang vom kleinen zum großen Haus am ersten Schultag.

Welche positiven Erinnerungen verknüpfen Sie mit Ihrer Schulzeit am MGG?

Die bereits angesprochene fortwährende Unterhaltung mit meinem Freundinnen, die sich – in dezenterer Form – auch über die Unterrichtsstunden erstreckte. Ich glaube, wir waren schlimm. Ich kann es einigen Lehrern nicht hoch genug anrechnen, dass sie uns dennoch zu mögen schienen. Überhaupt hatten wir viele Freiräume, konnten uns bei vielen Lehrern kreativ entfalten, mit unserem Geschichtslehrer drehten wir einen Film über unsere Studienfahrt in die DDR, die auf einmal nicht mehr die DDR war; es gab einen engagierten Literaturkurs, Theateraufführungen, und darüber hinaus ließ man uns oft einfach machen. Als wir beispielsweise die Idee hatten, die Toilettenräume zu bemalen, ließ man das zu, es gab zur Eröffnung Sekt und eine Klo-Performance mit Musik, aber ich erinnere mich auch an eine Podiums-Diskussion zum ersten Golfkrieg, die wir – mit Unterstützung der Lehrer – organisierten.

Was würden Sie jungen Schülern raten, die sich gerne dem Schreiben widmen möchten?

Der so genannte Literaturbetrieb ist ein hartes und sehr von Zufällen und Glück abhängiges Geschäft, und man kann nur in seltenen Fällen davon leben. Aber wenn es genau das ist, was ein junger Mensch machen möchte, dann soll er es machen! Er soll lesen, lesen, lesen und schreiben, das Geschriebene immer wieder überarbeiten, bis es so ist, dass man sagt, besser kann ich es im Moment nicht machen. 

Wie kann die Schule das Interesse für Literatur wecken?

Es hängt immer sehr vom einzelnen Lehrer ab. Ich glaube, wenn ein Lehrer selbst von der Literatur begeistert ist, dann ist das eine gute Voraussetzung dafür, dass der Funke auch überspringt. Ansonsten ist es, glaube ich, gut, die Schüler, innerhalb eines gewissen Rahmens, selbst wählen zu lassen, welches Buch sie lesen und dann eventuell der Klasse vorstellen möchten. Vielleicht kann man auch andere Medien einbeziehen, Literaturverfilmungen beispielsweise und die dann mit der Vorlage vergleichen. Theaterbesuche (ruhig auch mal eine Exkursion an ein großes Haus wie die Münchner Kammerspiele oder das Stuttgarter Staatstheater o.ä.). Ich fürchte aber, dass es die Literatur in Zukunft nicht leicht haben wird, gegen die neuen Medien anzukommen. Aber vielleicht bin ich da zu kulturpessimistisch.

Welche Werke würden Sie auf den Lektürekanon der Schule setzen?

Ich kann da nur eine sehr subjektive Auswahl treffen: Zauberberg von Thomas Mann, Radetzkymarsch von Joseph Roth, Holzfällen von Thomas Bernhard. Stiller von Max Frisch. Austerlitz von W.G. Sebald. Die Ausgesperrten von Elfriede Jellinek. Korrekturen von Jonathan Franzen.

Frau Zeiner, vielen Dank für das Interview

(Das Interview führte Tobias Endres)

Karten für die Lesung mit Monika Zeiner sind zu 5,- Euro im Vorverkauf bei der Buchhandlung Schwarz auf Weiß erhältlich.